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Wall 32-34
Elberfeld Mitte
unbekannt
unbekannt
unbekannt
2004
Schwarz Architekten
Voss, Peter

Fritzschehaus

Erläuterung der Architekten: Eines der ersten Kaufhäuser in Wuppertal, ein zeittypischer Archetyp des Kaufhauses des späten 19. Jahrhunderts, inspiriert von den Zeichen setzenden Gebäuden in New York, Chicago, London oder Manchester, wurde das Fritzschehaus als Stahlskelettbau im späten 19. Jahrhundert gebaut um den Wohlstand und Erfolg der Wuppertaler Tuchhändler zu demonstrieren.

Als Kaufhaus unterlag das Gebäude einem ständigen Wandel, musste sich den wechselnden Anforderungen der sich schneller ändernden Kaufhausmoden und Verkaufsstrategien anpassen. Voraussetzung hierfür war die Konzipierung als Stahlskelettbau, der ultimativen Konstruktionsweise der damaligen Zeit und Ausdruck der technischen Vorreiterschaft, die große Spannweiten und Flexibilität ermöglichten. Anfangs offen und transparent mit bodenstehenden Verglasungen auch in den Obergeschossen wurden dort bereits nach dem 1. Weltkrieg hohe Brüstungen eingefügt.

Der 2. Weltkrieg brachte schwere Kriegsschäden mit sich: Das Dachgeschoss und der rückwärtige Gebäudeteil wurden stark beschädigt. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg erfolgten zunächst notdürftige Instandsetzungen, denen ab den frühen 50-er Jahren tiefgreifende Umbauten und Erweiterungen folgten: Das zerstörte Dachgeschoss in Form eines Mansarddaches wurde durch ein originäres Staffelgeschoss mit umlaufendem, auskragendem Flachdach im Stil der Zeit ersetzt, das 3. Obergeschoss dazu auch im rückwärtigen Teil als Vollgeschoss über die gesamte Gebäudegröße erweitert. In einzelnen Abschnitten wurde der im Jahr 1948 wieder aufgebaute Schuh- Roland- Bau, Wall 32, an das Fritzschehaus angebunden. Zunächst nur ein Geschoss durch eine Brücke, schließlich durch das heute noch erhaltene 3-geschossige Brückengebäude über der Stocksgasse vollständig. Dies war dem steten Erweiterungsbedarf durch Wirtschaftwunder und dauerhaften Aufschwung geschuldet.

Die zuletzt sichtbaren, einschneidensten Änderungen erfolgten in den spätern 1960er Jahren durch den umfassenden Fassadenumbau des Erdgeschosses mit der Erstellung einer damals zeitgemäßen Passagenlösung sowie das Einfügen eines Zwischengeschosses im ehemaligen Erdgeschossvolumen und schließlich die Einkleidung der kompletten Fassade mit vertikalen Aluminiumlamellen. Dies repräsentierte wiederum eine Anpassung an den damaligen Zeitgeist und die damit einhergehende Kaufhausmode, veränderte jedoch vollständig und sehr nachhaltig das Gebäude, von dessen Ursprung im Stadtbild kaum etwas sichtbar blieb.

Dem anhaltenden Aufschwung folgten ab den 1990er Jahren der langsame Niedergang des Textilhauses Fritzsche. Nach der Übernahme durch die Dykhoffkette und deren Insolvenz folgte ein Elektrofachgeschäft das sich schließlich dem allgemeinen Trend der „Mall“ in die neuen City-Arkaden anschloß und das Fritzschehaus ohne Perspektive ließ.

Die in den vorangegangenen Jahren aufgelaufenen baulichen Mängel und Zwänge, insbesondere die Brandschutzauflagen, sowie die vernachlässigte, aus heutiger Sicht unzeitgemäß und als hässlicher Schandfleck empfundene 60er Jahre Aluminiumfassade machten eine dauerhafte Vermarktung schwierig. Zusätzlich trug der so empfundene Schandfleck zur Ausgrenzung dieses Citybereichs wesentlich bei, eine Spirale, die eine städtebauliche Brache zu etablieren drohte.

Funktional war die weitere Nutzung des Fritzschehauses als Verkaufsstätte nur schwierig nachhaltig sicher zu stellen. Eine Vermarktung an dem Standort gerechte Einzelhändler war annähernd unmöglich, allenfalls fanden sich Billig- Sortimenter mit kurzfristigen Mietverträgen ohne jegliche Anforderung an die Gestaltung für eine Erdgeschossnutzung. Die Obergeschosse wären ungenutzt geblieben, insgesamt weder wirtschaftlich noch städtebaulich eine befriedigende Lösung. Statt dessen wurde nach einer Vielzahl unterschiedlicher Konzeptansätze die Nutzung als Ärztezentrum in zentraler Lage mit attraktiven, flexiblen Flächen mit Erfolg umgesetzt. Somit ist das Fritzschehaus ein Beispiel der sich stetig verändernden Bauwerke der zentralen Innenstädte, die sich neuen Anforderungen anpassen müssen und die Spuren der Änderungen offen zeigt. Nur in diesem Sinn konnte die neuerliche Wiederbelebung des Fritzschehauses angegangen werden: Nach dem Prinzip der Freilegung und, wenn für die neue Nutzung sinnvoll, Erhaltung der im Laufe der Jahre erfolgten Veränderungen.

Die einzelnen Umbauphasen aus der Gebäudegeschichte sind bewusst erhalten geblieben, selbst Kriegsschäden wie Einschusslöcher und Brandbombenspuren im Treppenhausmarmor sind sichtbar und geben ein lebendiges Zeugnis der spannenden und abwechslungsreichen Erlebnisse des Fritzschehauses.

Die noch erhaltenen Elemente des Urgebäudes, z. B. Fassadenteile, das Treppenhaus etc., wurden aufwendig restauriert, im Zuge dieser Arbeiten wurden eine Vielzahl von Details unerwartet wiederentdeckt.
Andererseits wurde das Gebäude zur Anpassung an die neue Nutzung umfassend unter Berücksichtigung der individuellen Mieteranforderungen umgebaut. Nicht zuletzt dieses Höchstmaß an Flexibilität war unter anderem Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermarktung des Fritzschehauses und ist zugleich Beleg für die hohe technische und ästhetische Qualität des Ursprungsgebäudes, das mehr als 100 Jahre nach seiner Erstellung das Potential aufweist, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Somit ist nach dem Umbau ein Bauwerk entstanden, dass einen wichtigen Beitrag zur Attraktivierung des Stadtbildes im unmittelbaren sowie im größeren städtebaulichen Kontext erbringt und zugleich einen lebenden Beweis für die Historie der Stadt Wuppertal darstellt. Schwarz Architekten

Objekt: Fritzsche-Haus 
Standort: Wall 32-34
Stadtteil: Elberfeld Mitte
Architekt:
Bauherr:
Baujahr:

Umbau: 2004
Architekt: Schwarz Architekten; Raoul Schwarz
Bauherr: Peter Voss





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